Recyclingplastik-Häuser für Menschen in Not

Das HTZ hat die 2016 gegründete Boxs AG zunächst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie begleitet. Im Mittelpunkt stand ein Raumsystem aus Plastikabfall für Menschen in Not. Später unterstützte das HTZ das KMU bei der Lancierung eines Folgeprojekts, das vom Forschungsfonds Aargau mitfinanziert wird.

Mit Unterstützung des Hightech Zentrums Aargau hat die Boxs AG aus rezyklierten Kunststoffplatten ein modulares Leichtbausystem entwickelt. Dieses soll in Krisengebieten zum Einsatz kommen. In Jordanien läuft ein Feldversuch.

Die Bilder aus dem Syrienkrieg liessen Raphael Markstaller nicht mehr los: Tausende von Flüchtlingsfamilien, die in Zelten hausen müssen, bei minus 10 Grad und bei plus 40 Grad. Für diese Menschen müssten sich doch Unterbringungsalternativen finden lassen, sagte sich der junge Berufsmann, der damals für eine Bausystemfirma tätig war. Die Idee keimte, auf der Basis eines modularen Leichtbausystems eine Lösung zu entwickeln. Die positiven Reaktionen des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) bestärkten Markstaller darin, die Idee mit einem eigenen Unternehmen – der Boxs AG – weiterzuverfolgen.

Reto Eggimann, Technologie- und Innovationsexperte des HTZ, lernte das Boxs-Team im Zusammenhang mit einem Start-up-Wettbewerb kennen. Nach einer Lagebeurteilung lancierte Eggimann zur Umsetzung des innovativen Systems eine Machbarkeitsstudie. Er gewann hierfür das Kompetenzzentrum Gebäudehülle CCGH der Hochschule Luzern HSLU als Forschungspartner. Im Lauf des Projekts gelang es, Platten aus Mischplastik in die Gebäudehülle zu integrieren. Die Kunststoffpanels sind leicht, wasserdicht und verrotten nicht. Eggimann ebnete auch den Weg für ein Folgeprojekt, das vom Forschungsfonds Aargau finanziert wurde. Im Zentrum stand die Herstellung von zwei «Boxs Light»-Prototypen für einen Feldtest in einem Flüchtlingslager in Jordanien.

Diese Box muss eine Reihe zusätzlicher Kriterien erfüllen: Neben Wintertüchtigkeit, Brandschutz und einer definierten Raumqualität wird auch «Materialflexibilität» verlangt. Dies bedeutet, dass die Gebäudemodule dezentral hergestellt werden und dass dabei lokal beschaffte Materialien verwendet werden. Neben Kantprofilen aus Stahl betrifft dies auch die Kunststoffplatten. Diese werden aus Plastikabfall hergestellt, welcher aus einem lokalen Sammelkreislauf stammt. Die Deckschicht der Platten besteht aus sortenreinem Rezyklat, der Kern jedoch aus Mischkunststoff, der üblicherweise in einer Deponie landet. Ein weiteres Kriterium heisst «Autarkie»: Neben einer Wassersammlung soll eine einfache Solarstromversorgung sichergestellt werden.

Raphael Markstaller, Geschäftsführer BOXS AG, Buchs

«Der Experte des Hightech Zentrums Aargau hat innert kurzer Zeit den geeigneten Forschungspartner gefunden. Er hat uns auch bei den Anträgen für die Machbarkeitsstudie und für das Projekt mit dem Forschungsfonds Aargau wirkungsvoll unterstützt.»

Die Vision: Plattenpresse vor Ort

Die Boxs AG arbeitet an der Entwicklung einer mobilen Plattenpresse. Die Pressen sollen in 40-Fuss-Containern transportiert werden. In das Projektfunding sind europäische Partnerfirmen involviert. Mit Dow Chemical hat ein erstes Grossunternehmen eine Kostenbeteiligung zugesichert. Boxs verfolgt eine internationale Expansionsstrategie. Sie beschäftigt aktuell zehn Personen. Die Produktion ist seit 2017 in Gränichen eingerichtet.

Auf einen Blick

Das HTZ hat die 2016 gegründete Boxs AG zunächst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie begleitet. Im Mittelpunkt stand ein Raumsystem aus Plastikabfall für Menschen in Not. Später unterstützte das HTZ das KMU bei der Lancierung eines Folgeprojekts, das vom Forschungsfonds Aargau mitfinanziert wird.

Prof. Dr. Andreas Luible, Leiter Kompetenzzentrum Gebäudehülle des Institut für Bauingenieurwesen der Hochschule Luzern HSLU, Boxs AG

«Die Kooperation im Rahmen des gemeinsamen Entwicklungsprojekts mit der BOXS AG und dem Hightech Zentrum Aargau hat es uns ermöglicht, in vielen Bereich unsere Kompetenzen auszubauen, insbesondere der Anwendung von recycelten Kunststoffen, dem Brandverhalten von plattenartigen Fassadenelementen aus recyceltem Kunststoff und der Konstruktion eines möglichst einfachen, wirtschaftlichen und ohne Hilfsmittel montierbaren Systems. Durch das Projekt konnte unser Netzwerk zu innovativen Industriepartnern für zukünftige Forschungsprojekte weiter ausgebaut werden. Die Kooperation mit dem HTZ war ausgezeichnet. Wir wurden bereits bei der Vorbereitung des Projektantrags, in der Phase des Projektstarts bis hin zur Projektdurchführung immer sehr gut unterstützt und offene Punkte wurden stets unkompliziert gelöst.»