Metallbearbeitung auf Weltniveau
Die Urma AG produziert Reibschneiden für die Bearbeitung von extrem harten Güssen und Legierungen. Neuartige Beschichtungen – entwickelt in einem grenzüberschreitenden Innosuisse- Projekt – machen die Werkzeuge prozessicherer und reduzieren den Verschleiss.
Die Urma AG produziert Reibschneiden für die Bearbeitung von extrem harten Güssen und Legierungen. Neuartige Beschichtungen – entwickelt in einem grenzüberschreitenden Innosuisse- Projekt – machen die Werkzeuge prozessicherer und reduzieren den Verschleiss.




Yannick Berner zeigt auf einen knapp meterhohen Motorenblock. Er stammt von einem Kunden, einem Automobilhersteller aus dem Premiumsegment. Acht Zylinderbohrungen mit einem Durchmesser von rund zehn Zentimetern. «Jede einzelne Bohrung wurde mit einem unserer rotierenden Werkzeuge ausgerieben», erklärt der Co-CEO von Urma. Das Ausreiben bringt die Zylinder auf die von den Ingenieuren angestrebten Nennmasse und glättet die Oberflächen des Werkstücks.
Die Herausforderung dabei: Viele Bauteile in der Luftfahrt- und Automobilindustrie werden nicht aus gängigem Industriestahl gefertigt, sondern aus graphithaltigen Güssen, aus Edelstählen oder Nickel- und Titanlegierungen. Und weil auf einen groben Klotz ein grober Keil gehört, muss auch die Schneidkante des Reibwerkzeugs über eine hohe Härte und Beständigkeit verfügen.
In Rupperswil werden die Schneidkanten aus sogenanntem Hartmetall gefertigt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Wolframkarbid- und Kobaltpulver, die zu Rohlingen gepresst und anschliessend in Hochtemperaturöfen gesintert wird. «Doch die Materialwahl allein garantiert keinen Platz in der Spitzengruppe der Reibwerkzeughersteller» so Berner, «in der Champions League kommt es auf die Beschichtung an».
Beschichtungen reduzieren den Verschleiss der Schneidkanten, sie erlauben kürzere Bearbeitungszyklen und reduzieren über eine höhere Prozesssicherheit den Ausschuss. «Für unsere Kunden ein zentraler Punkt», so Berner, «denn die Ausreibung ist immer einer der letzten Bearbeitungsschritte.»
Deshalb leiteten Yannick Berner und sein Co-CEO – Zwillingsbruder Oliver – vor rund fünf Jahren eine strategische Wende ein. Sie holten den Beschichtungsprozess, der bis dahin von einem Lohnfertiger erledigt wurde, ins Stammhaus an der Autobahnausfahrt Rupperswil.
Die Investitionen in Anlagen und Maschinen waren beträchtlich für einen Familienbetrieb mit 150 Mitarbeitenden. «Aber wir hatten keine andere Wahl», erklärt Yannick Berner. Die Urma produziert für den Weltmarkt und hat mit der seit Jahren anhaltenden Frankenaufwertung zu kämpfen. «Den Produktionsstandort Schweiz können wir nur halten, wenn es uns gelingt, mit innovativen Produkten höhere Margen durchzusetzen», erklärt Betriebswirt Berner.
Für die technische Umsetzung der Insourcing-Strategie zogen die Berners den Materialwissenschaftler Juri Wehrs zu. Der neue F+E-Leiter baute ein dreiköpfiges Team auf und traf sich im Herbst 2023 mit seinem Kollegen bei der Bieler Schnyder AG zum Gedankenaustausch. Das Unternehmen produziert Verzahnungswerkzeuge aus Hartmetall und steht vor den gleichen Herausforderungen wie die Urma.
Das Gespräch führte zu so genannten Bor-Additiven. Ein viel diskutiertes Thema in der Branche. Denn theoretisch müsste die Beigabe von Bor den Aufbau von dickeren und damit beständigeren Aluminium-Chrom-Titan-Nitrid-Schichten erlauben. Juri Wehrs erklärt es bildhaft: «Die Eierschale soll dank Bor stärker werden, ohne dass sie brüchig wird».
Die beiden Ingenieure beschlossen dranzubleiben und nahmen Kontakt mit dem Beschichtungsexperten Marcus Morstein auf, der unterdessen beim HTZ wirkte. Morstein initiierte eine vom HTZ finanzierte Machbarkeitsstudie; als akademischer Partner engagierte sich die Gesellschaft für Fertigungstechnik und Entwicklung GFE im thüringischen Schmalkalden.
Parallel dazu bereitete das HTZ für die Projektpartner eine Eingabe bei der Innosuisse vor. IraSME heisst das Förderprogramm und es finanziert transnationale F+E-Kooperationen. Als deutscher Partner stieg die pfälzische K.-H. Müller Präzisionswerkzeuge GmbH ein.
Im Oktober 2024 gab die Innosuisse grünes Licht. Das Projektvolumen beträgt inklusive der Eigenleistungen der beteiligten Unternehmen 1.6 Millionen Franken. Urma und Schnyder erhielten von der Innosuisse je 250 000 Franken zugesprochen.
«Wir analysierten die Chemie und Physik von unzähligen borhaltigen Schichten», erläutert Juri Wehrs das Vorgehen. Es entstand ein Katalog von Materialien mit unterschiedlicher Zusammensetzung, Temperaturbeständigkeit und Eigenspannung. «Wir betrieben anwendungsnahe Grundlagenforschung» erklärt Wehrs.
Das Projekt ist noch im Gang. Der Materialbaukasten wächst weiter. Doch für die Urma AG zeichnen sich bereits erste Anwendungen ab. Wehrs ist überzeugt: «Im kommenden Jahr werden wir die ersten Reibschneiden mit borhaltigen Beschichtungen sehen».
Entsprechend zufrieden sind die Gebrüder Berner. Das Insourcing der Beschichtungstechnik habe sich voll ausbezahlt. «Es gibt in der Welt des Reibens Dinge, die nur die Urma kann», sagt Yannick Berner, «das wird für die kommenden fünf bis zehn Jahre so bleiben».

«IraSME ist ein neues Instrument für Schweizer KMU. Wir haben es für die Urma AG erschlossen. Auch das ist eine Aufgabe des HTZ.»

In der Schweiz wird IraSME von der Innosuisse getragen. Dr. Prabitha Urwyler, Program Manager Bilateral Cooperation (International Programmes) bei Innosuisse, managt dieses Förderprogramm für internationale F+E-Projekte von KMU.
Rund ein Duzend Projekte konnten wir bewilligen
Hinter IraSME steht ein Netzwerk von Innovationsförderstellen mehrerer Länder. Es besteht schon seit über 15 Jahren. Die Schweiz nahm beim 33. Call vom Dezember 2023 bis März 2024 zum ersten Mal teil. Was gab den Ausschlag?
Das Programm sieht eine direkte Unterstützung der beteiligten Unternehmen vor. Das ist in der Schweiz erst seit der Totalrevision des Bundesgesetzes über die Förderung der Forschung und der Innovation möglich. Es trat Anfang 2023 in Kraft. Wir klärten den Bedarf ab und nahmen kurz darauf Kontakt mit dem Netzwerk auf.
Wie verhält sich das Programm zu den übrigen Förderangeboten der Innosuisse?
IraSME bildet eine Ergänzung zum ebenfalls grenzüberschreitenden Eurostars-Programm. Viele Schweizer KMU, insbesondere aus der Tech- und Maschinenindustrie, pegen intensive Innovationspartnerschaften mit Firmen aus Deutschland und Österreich. Solche Kooperationen können wir mit IraSME unterstützen. Das Feedback aus der Wirtschaft zeigt, dass das Angebot geschätzt wird.
Wie viele Anträge gingen bisher bei Ihnen ein?
Insgesamt knapp 100 in zwei Calls. In den allermeisten Fällen kamen die Partnerunternehmen aus der DACH-Region. Rund ein Dutzend Projekte konnten wir bewilligen.
Wie sieht der Finanzierungsmodus aus?
Wenn eine Schweizer Hochschule oder ein Forschungsinstitut aus der Schweiz an IraSME teilnimmt, übernimmt Innosuisse den ganzen Aufwand; bei Schweizer KMU sind es 50 Prozent der Projektkosten, bei Grossunternehmen noch 25 Prozent.
Der letzte Call startete im September 2025. Heuer setzt die Schweiz aus. Warum?
Aus finanziellen Gründen. Die in der Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation 2025 bis 2028 vorgesehenen Mittel decken den Bedarf nicht. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. 2027 wird die Schweiz bei einem IraSME Call dabei sein.
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Innosuisse