Die cleveren Implantat-Beschichter

Das HTZ hatte Medicoat bereits bei einer Patentrecherche und einer Machbarkeitsstudie unterstützt, ehe 2018/19 das Nano-Argovia-Projekt «NanoCoat» folgte. Dabei wurde ein neuartiger, kostengünstiger Prozesses zur keramischen Beschichtung von Titanimplantaten entwickelt.

Das Hightech Zentrum Aargau hat Medicoat bei einem Technologieprojekt unterstützt, das die Erschliessung neuer Marktsegmente ermöglichen könnte. Die innovative Beschichtung eines Implantats trägt zur Verkürzung des Heilungsprozesses bei.

Die Medicoat AG zählt zu den führenden Schweizer Unternehmen im Bereich der medizinischen Beschichtungstechnologie. Das KMU mit 95 Beschäftigten nimmt Beschichtungen vor, baut thermische Spritzsysteme und vertreibt Spritzpulver wie Hydroxylapatit (Kalziumphosphat) und Titanpulver. Im Aufbau begriffen ist das Geschäft mit Reinraumverpackungen. Medicoat wurde vor 31 Jahren von Heiko Gruner gegründet, dem Vater von Philipp Gruner, der die Firma seit 2010 führt. Die meisten Angestellten arbeiten in der Schweiz, ein Drittel in Frankreich. Europa, China und die USA sind die zentralen Absatzmärkte.

Medicoat hat bisher mehr als eine Million Implantate beschichtet; Hüftprothesen und Implantate für die Wirbelsäule stehen im Vordergrund. Beliefert wird ein Dutzend namhafter Implantathersteller. Mehr als 70 Medicoat-Beschichtungsanlagen stehen weltweit im Einsatz. Das thermische Spritzverfahren ist heute «Stand der Technik». Der Markt ist gesättigt und der Kostendruck in der Schweiz hoch. Bei Standardprodukten herrscht ein starker Preiszerfall. Vor diesem Hintergrund verspricht sich Medicoat sehr viel von einem Nano-Argovia-Projekt («NanoCoat»), das vom HTZ initiiert worden ist. Involviert sind auch das Paul Scherrer Institut PSI, die Hochschule für Life Sciences an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Muttenz, Atesos Medical aus Aarau (ebenfalls ein HTZ-Kunde) und der Zahnimplantathersteller Hager & Meisinger aus Neuss (Deutschland). Für Medicoat war das HTZ laut Philipp Gruner «ein wichtiger Türöffner in Richtung PSI und FHNW». Im Vergleich mit anderen Förderinstitutionen zeichne sich das HTZ auch durch ein unbürokratisches Vorgehen aus.

Neue Marktfelder im Visier

Im Zentrum des Projekts stand die Beschichtung von Titan-Implantaten mit einer ultradünnen Kalziumphosphat-Schicht. Solche Schichten eignen sich besser für sehr kleine Implantate wie z.B. Zahnimplantate oder Gelenkersatz für Finger. Der Überzug erleichtert die Integration des Implantats in den neu wachsenden Knochen. Dies erhöht die Stabilität des Implantats während der kritischen Einheilphase.

«Um eine dauerhafte Verbindung des Titanimplantats mit dem Knochen zu gewährleisten, müssen sich knochenbildende Zellen auf der Titanoberfläche ansiedeln können.»

Marco Romanelli, Technologie- und Innovationsexperte des HTZ

Medicoat-Geschäftsführer Gruner ist zuversichtlich, neue Marktfelder für Klein- und Kleinstimplantate erschliessen zu können, für die das Plasmaspritzverfahren nicht geeignet ist.

Video zum Projekt

Auf einen Blick

Das HTZ hatte Medicoat bereits bei einer Patentrecherche und einer Machbarkeitsstudie unterstützt, ehe 2018/19 das Nano-Argovia-Projekt «NanoCoat» folgte. Dabei wurde ein neuartiger, kostengünstiger Prozesses zur keramischen Beschichtung von Titanimplantaten entwickelt.

Philipp Gruner, CEO Medicoat AG, Mägenwil

«Ein grosser Vorteil liegt darin, dass wir auf einer Vertrauensbasis kooperieren können. Für uns war das Hightech Zentrum Aargau auch ein wichtiger Türöffner in Richtung PSI und FHNW.»