Fokusthema „Nanotechnologie und innovative Werkstoffe“: Weltneuheit aus dem Aargau

21.03.2022

Als „eine Technik, die radikal neue Möglichkeiten eröffnet“, beschreibt die britische Fachzeitschrift „Laboratory News“ die Innovation aus dem Aargau, und das Schweizer Fachmagazin Laborscope meint: „Die Zukunft der Kristallographie ist nano“. Mit ihrem bahnbrechenden nanotechnolgoischem Analysegerät hat das Villiger Start-up ELDICO Scientific im vergangenen Jahr eine Weltneuheit auf den Markt gebracht.

„Unsere Elektronendiffraktometrie revolutioniert die Messungen in der Nanotechnologie“, sagt Nils Gebhardt, Chief Financial Officer von ELDICO. Das Gerät mit der Bezeichnung „ED-1“ ermöglicht Forschern in Industrie und Wissenschaft, bisher nicht messbare nanokristalline Partikel zu untersuchen, weil sie für die herkömmliche Messmethode mit Röntgenstrahlen zu klein sind. „Die Züchtung grösserer Kristalle ist kosten- und zeitaufwändig, oft lohnt es sich nicht“, erläutert Gebhardt. Für die Pharmaindustrie bedeutet die Entwicklung von ED-1 beispielsweise, dass viele Substanzen, die bislang nicht analysiert werden konnten und ungenutzt eingelagert sind, nun untersucht werden können – das spart den Unternehmen Zeit und Kosten. „Unser Elektronendiffraktometer kann schneller und kostengünstiger Ergebnisse erzielen - und das in einer Qualität, die mit bislang gebräuchlichen Methoden nicht zu erreichen ist.“ Schweizer Pharmaunternehmen wie Roche und Idorsia nehmen daher schon die Dienstleistungen von ELDICO in Anspruch, ebenso der deutsche Konzern Böhringer Ingelheim.

ELDICOs Entwicklung zeigt, dass die Nanotechnologie substanzielle Lösungsansätze für die grossen Herausforderungen unserer Zeit bietet. Zum Beispiel bei der Entwicklung leistungsstarker Batterien im Kampf gegen den Klimawandel und für mehr Energieeffizienz. Die Leistung von Batterien wird durch ihre Zusammensetzung bestimmt. In der Lithium-Ionen-Batterietechnik werden Materialien mit Partikelgrössen von einigen Nanometern bis hin zu Mikrometern eingesetzt, um die Ladezeit zu verkürzen oder die Lebenszeit zu erhöhen. Da sich Nanomaterialien anders verhalten als Materialien in grösseren Mengen, ist ein Verständnis der atomaren Struktur dieser Partikel wichtig; je genauer solche Strukturen von Materialwissenschaftlern und Ingenieuren verstanden werden, desto besser sind die Chancen, die Leistungsfähigkeit von Energiespeichern zu erhöhen. Etablierte Methoden stossen dabei an Grenzen, die für Messungen mit dem ED-1 nicht gelten.

Vorbildliche Unterstützung durch den Kanton

Das Aargauer Start-up ist ein Paradebeispiel für die Gründung moderner Hightech-Unternehmen in einem Kanton, der die idealen Rahmenbedingungen bietet und sich die Förderung zukunftsweisender Hochtechnologie auf die Fahnen geschrieben hat. ELDICO wurde im Juni 2019 mit dem Ziel gegründet, mit der Entwicklung eines neuartigen Messinstruments eine Marktlücke zu schließen. Gebhardt: „Die Unterstützung des Kantons war von Anfang an vorbildlich. Mehrere Stellen haben uns geholfen, unser Projekt voranzutreiben. So hat uns beispielsweise das Hightech Zentrum Aargau bei einer Patentrecherche in Bern einen ganzen Tag lang kostenfrei unterstützt. Von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und haben wir im Rahmen des von ihr organisierten Wettbewerbs Swiss Innovation Challenge wertvolles Feedback zu unserem Pitchdeck erhalten. Das konnten wir dann erfolgreich beim Business Angels Club Aargau einsetzen und durch einen überzeugenden Auftritt Investoren gewinnen.“

„Insgesamt ist der Aargau in puncto Nanotechnologie gut aufgestellt“, meint Gebhardt. „Wir profitieren von vielen Firmen und Institutionen aus dem Aargau. Zum Beispiel ist die Firma Dectris aus Baden-Dätwil, Weltmarktführer bei Detektoren, ein wichtiger Lieferant für uns.“ Wichtig war auch die Nähe zum Swiss Nanoscience Institute (SNI). ELDICOs instrumentelles Konzept wurde vom SNI gefördert – und das SNI wurde später einer von ELDICOs ersten Kunden.

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